Magie und Freundschaft—Weshalb Hiro Mashima’s ‚Fairy Tail‘ mehr ist als nur ein Anime

von Bianca Ierullo

Kennst Du das? Die prächtigen Farben des Sonnenuntergangs, die rot—rosa Farben des Sonnenaufgangs, die unterschiedlichen Formen der Wolken, die Tänze der Vögel oder der atemberaubende Klang des Meeres. Es gibt Filme oder Serien, die tragen Dich bis ans Ende der Welt und noch viel weiter, oder entführen Dich in ein Universum, von dem Du nicht einmal wusstest, dass es existieren kann.

Es gibt Filme oder Serien, die tragen Dich bis ans Ende der Welt und noch viel weiter, oder entführen Dich in ein Universum, von dem Du nicht einmal wusstest, dass es existieren kann.

Du tauchst ein in das Erlebnis, deine Augen füllen sich mit Tränen vor Freude, deine Mundwinkel zucken zu einem Lächeln und werden von einem bereits feuchten Taschentuch verdeckt. Deine Wangen färben sich rot und das pure Glück steht Dir auf der Stirn geschrieben. Und dann ist der Film zu Ende. Die Farben verschwinden, die Geräuschkulisse verändert sich, das Taschentuch wird entweder noch mal in der Hand zusammengeknüllt oder mit all seinen Emotionen in den Müll geworfen. Deine Augen starren noch immer auf den Bildschirm, der schwarz zurück starrt. Und im nächsten Moment springt Dir die knallbunte Werbung für Waschmittel entgegen und Du weißt: Du bist für die Realität noch nicht bereit. Dein Kopf verarbeitet noch und malt sich aus, wie es nach dem Film weitergehen könnte. Du wischst Dir die letzte Träne fort und kuschelst Dich in Dein Bett.
Ähnlich ergeht es mir, wenn ich den Anime Fairy Tail schaue. Die bunten Bilder versetzen mich in pures Staunen, die Achterbahn der Emotionen dringt tief in mein Herz ein und lässt mich so intensiv mitfiebern, als wäre ich tatsächlich in Echtzeit dabei. Der Soundtrack ist so episch und dramatisch, dass man kaum auch nur eine Sekunde verpassen möchte.

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Was ist im Leben eigentlich wirklich wichtig?

Der japanische Mangazeichner Hiro Mashima ist der geniale Schöpfer von Natsu Dragneel, der Sohn des Drachen Igneel, der nicht nur sein Herz am rechten Fleck hat, sondern es auch auf der Zunge trägt—stets bereit, seine Crew vor allem und jedem zu verteidigen:

„Um meine Familie zu schützen, mache ich mir die ganze Welt zum Feind.“ – Natsu

Solch große und starke Worte, die mich zum Nachdenken angeregt haben. Was ist im Leben eigentlich wirklich wichtig?
Die Geschichte und Abenteuer von Natsu und seinen Freunden basieren auf einem Manga, welcher in Japan am 12. Oktober 2009 Premiere als Anime Serie feierte. Die Produzenten von A-1 Pictures, Dentsu Inc. Satelight, Bridge und CloverWorks erfüllten nicht nur mir, sondern vielen anderen Fans den langersehnten Wunsch, endlich die Helden auch in Farbe und in Action zu bestaunen.

Im Anime geht es um eine Magiergilde, die nicht nur Kollegen und Freunde sind, nein, sie ist eine große Familie, die es zu beschützen gilt, denn durch ihre besonderen Stärken wird sie immer wieder zum Ziel dunkler Mächte. Zusammenhalt ist ihr oberstes Gesetz, deshalb trainieren die Magier ihre Kräfte und entwickeln sich stets weiter, damit jeder einzelne als ein Team funktioniert, um sich gegenseitig zu beschützen. Gemeinsam kämpfen sie für diesen Zusammenhalt gegen die dunklen Mächte der schwarzen Magie.
Die unterschiedlichen Charaktere und Individuen üben sich in verschiedenen Arten der Magie, angefangen von der Eismagie bis hin zur Telepathie. Auch die Gewalt des Himmels und der Drachen sind vertreten. Es ist ein Zusammenprallen der Mächte, die für sich genommen unfassbar beeindruckend sind, doch vereint sind sie höchst explosiv. Man ist so fasziniert von diesem Schauspiel, dass man nicht mehr weiß, wo man zuerst hinschauen möchte und schaut sich vereinzelte Szenen immer wieder voller Hingabe an. Die Zusammenarbeit aus Farben, Dialogen und Musik ergeben die ultimative Motivation—Motivation fürs Hinfallen, sich den Staub von den Kleidern abklopfen und weiterkämpfen.

Die Zusammenarbeit aus Farben, Dialogen und Musik ergeben die ultimative Motivation—Motivation fürs Hinfallen, sich den Staub von den Kleidern abklopfen und weiterkämpfen.

Jeder von uns hat diese Tage, an denen einfach nichts so läuft wie es eigentlich sollte und an welchem man am liebsten alles hinwerfen und sich nur noch im Bett verkriechen möchte. Die Gedanken verwandeln sich in Nebel und die positive Sicht verschwindet. Selbst Natsu ergeht es nicht anders, doch anstatt aufzugeben, rappelt er sich immer wieder auf, kämpft entschlossen, ganz gleich wie oft er im Staub landet. Diese Entschlossenheit wird nicht nur durch sein Auftreten widergespiegelt, es wird auch ganz deutlich beispielsweise im Soundtrack hervorgehoben. Nur fünf Minuten dieser Musik gelauscht und ich möchte alles andere als das Handtuch werfen. Vergessen sind die Absagen, Enttäuschungen und unschöne Worte des Chefs—alles, was ich beim Lauschen der Musik möchte, ist aufstehen und kämpfen. Für mich selbst kämpfen und wieder positive Energie und Kraft sammeln. Mashima’s Fairy Tail löst genau dies bei mir aus: Nicht aufzugeben. Die Nackenhaare stellen sich auf, Gänsehaut breitet sich aus, die Augen weiten sich und glänzen und das Herz schlägt tausend Mal höher.

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© Bianca Ierullo

Realismus und Magie

Und obgleich es sich um eine fiktive Geschichte handelt und Magier, Drachen und sprechende Katzen nicht wirklich existieren, so hat Fairy Tail eine sehr realistische Note. Wir alle wurden schon mal verletzt, oder haben einen Verlust verarbeiten müssen. Unser aller Herz hat schon mal von dem Phänomen Liebe gekostet und dabei bitterlich geweint oder war einfach nur bedingungslos glücklich. Jeder von uns musste sich schon mal aus der Umarmung eines geliebten Menschen lösen und gewisse Entscheidungen treffen und akzeptieren.
Sein Realismus ist es, was Mashimas Fairy Tail so besonders macht—die Fehler und Schwächen, die wir mit den Magiern teilen.

Sein Realismus ist es, was Mashimas Fairy Tail so besonders macht—die Fehler und Schwächen, die wir mit den Magiern teilen.

Der Anime zeigt, dass man in den dunkelsten Stunden niemals alleine sein muss, dass es immer jemanden gibt, dem man grenzenlos vertrauen kann und an dessen Schulter man sich ausweinen darf. Dass man sich niemals verstecken und eine Maske tragen muss, sondern wahre Stärke darin liegt, man selbst zu sein. Er zeigt, dass man gegen alles ankämpfen kann, egal ob als Magier gegen einen vom Weg abgekommenen Dämon, oder aber als Mensch im Kampf gegen die Welt, die uns immer wieder Steine in den Weg legt.

Mashima’s Fairy Tail übermittelt die schlagkräftige Aussage, dass man sich von seiner Vergangenheit nicht unterkriegen lassen sollte und man gemeinsam immer stärker ist. Mich persönlich fasziniert diese Geschichte von Magie und Freundschaft, vom Scheitern und Aufstehen immer wieder—ich werde regelrecht davon beflügelt.

Biancas Lieblingssoundtrack:


Bildquelle: Crunchyroll
TeePublic
Bianca Ierullo


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