Rambo—Last Blood

Findet die Legende nun endlich ihre Ruhe?

von Bianca Ierullo

Mousa Ghani: „Und das? Wozu ist das?“
Rambo: „Das ist blaues Licht!“
Mousa Ghani: „Und was macht es?“
Rambo: „Es leuchtet Blau.“
Mousa Ghani: „Verstehe.“

(Rambo III—1988)

Ich weiß noch, als ich mit meiner Mama das erste Mal die Rambo-Filme gesehen habe und bereits nach wenigen Minuten im völligen Bann stand. Von dem Zeitpunkt an habe ich einen Silvester-Stallone-Film nach dem anderen geschaut, doch Rambo blieb immer meine Nummer eins.

Ein Kriegsveteran, der einfach nur nach Hause kommen möchte, um die Schlachten und die Verluste von Freunden hinter sich zu lassen. Missverstanden, verspottet und nicht willkommen geheißen wird John erneut in die Enge getrieben, was ihm das Gefühl eines niemals endenden Krieges gibt.

Von 1982 bis 1988 kämpfte sich John Rambo durch die unterschiedlichsten Szenarien und kehrte immer wieder als Held zurück, doch die verdiente Ruhe und die Chance auf ein Leben als normaler Bürger wurde ihm immer verwehrt. Bis zu diesem Zeitpunkt hat er nicht nur Freunde und Kameraden verloren, sondern auch seine Liebe, die er bis zum Schluss beschützen wollte. Hat man ihm alles genommen, weil er in Vietnam gedient hat?

 

2008 kehrte John in Rambo 4 zurück auf die Leinwand; ganz unter dem Motto: „Live for nothing or die for something.“

2008 kehrte John in Rambo 4 zurück auf die Leinwand; ganz unter dem Motto: „Live for nothing or die for something.“ Es hatte den Anschein, dass John nun doch sein ruhiges Leben bekommen hat und doch wird er erneut in ein Kriegsgebiet geschickt, zunächst nur als Bootsmann, doch kann er nicht tatenlos zusehen wie Unschuldige wahllos ermordet werden. Erneut geht er völlig in seiner Rolle auf, die er eigentlich schon längst abgelegt hat.

Anders als die drei Teile davor triefte Rambo 4 nur so von Brutalität. Damit meine ich, es geht noch eine Stufe höher. Ein reines Gemetzel, das zweidrittel des Filmes beherrscht, aber dennoch einen roten Faden verfolgt. Nach all dem Blut und den Leichen, erweckte es den Eindruck, als sei John am Ende des vierten Teils nun endlich zu Hause angekommen. Eine Hütte fernab der Zivilisation, nur er und die Natur. Für mich war es ein perfektes Ende der Rambo-Reihe. Ich habe mich auch immer gefragt, ob es auch das persönliche Anliegen von Silvester Stallone war, Rambo endlich die verdiente Ruhe zu gönnen.

Jetzt, 11 Jahre nach dem Nachhausekommen von Rambo, lässt ihn Stallone erneut auf das Schlachtfeld treten.
John Rambo ist um knapp 10 Jahre gealtert, hat sich aber auch nur körperlich verändert. Die Haare sind kürzer, die Falten deutlich zu sehen und die klassischen altersbedingten Wehwehchen haben auch ihn nicht verschont. Zwischen Pferde einreiten und Waffen schmieden werden immer mal wieder die ein oder anderen Tabletten eingenommen. Das lässt ihn keineswegs schwach aussehen; es unterstreicht regelrecht, dass auch ein John Rambo nicht unsterblich ist.

Innerlich hat er sich kaum verändert. Er kämpft noch immer mit den Bildern der Vergangenheit und leidet ganz offensichtlich an einer posttraumatischen Störung, welche ihn selbst in den eigenen vier Wänden immer wieder zusammenzucken lässt. Der Krieg ist seit Jahren vorbei, aber in seinem Kopf tobt und wütet dieser in einer Endlosschleife weiter. Fühlt und handelt in einigen Situationen wie damals in Vietnam. Rambo versucht weiterhin Menschen zu retten und macht sich schreckliche Vorwürfe, wenn er dabei scheitert und zack, sind die Bilder wieder im Kopf und er spürt den Verlust und das Versagen, selbst wenn das Ende der Situation unvermeidlich war.

Zwischen Teil 4 und Teil 5 hat er eine kleine Familie gefunden, mit der er trotz allem ein wenig Ruhe gefunden hat, die er aber auch mit seinem Leben beschützen möchte. Auf einer Farm, auf der er sich unterirdisch einen Tunnel gegraben hat, mit allem was er braucht, um sein eigenes Leben zu führen, so wie er es eben am besten kann und braucht. Es erinnert stark an einen Graben, wie er es vermutlich noch aus dem Krieg kennt.

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Zu dieser kleinen Familie gehört Gabrielle, ein 17- Jähriges Mädchen, welches John Rambo praktisch großgezogen hat und sie als seine Tochter ansieht. Auf einen Alleingang nach Mexiko wird Gabrielle von einem Prositutionsring verschleppt. Ab diesem Moment kommt der wahre John Rambo zum Vorschein, der gut darin ist, Rache zu üben und Menschen auf die grausamste Art umzubringen, um zu überleben und um zu beschützen.

Wenn der eigentliche Kampf beginnt, verläuft dieser völlig nach Rambos Regeln, so wie man ihn kennt: Keine Gnade, keine Überlebende. Seine Art zu kämpfen und zu verteidigen ist die gleiche geblieben. Erneut greift er zu seinem Bogen und seinem Messer und arbeitet mit den Dingen, die ihm in die Hände fallen um tödliche Waffen und Fallen zu bauen.

Dieses Mal steckt er mehr ein, als wir von Ihm gewohnt sind. Schnittverletzungen, Schusswunden, Blutergüsse und tagelanges weggetreten sein. Er betont nochmals, dass er einfach nur nach Hause kommen möchte, aber bisher noch immer nicht angekommen ist und schon wieder alles verloren hat, was er geliebt und wofür er gekämpft hat. Sein neues Leben, weg. Von Jetzt auf Gleich.

Gabrielle hat ihm von ihrer Absicht nach Mexiko zu gehen und ihren Vater zu suchen erzählt, er hat versucht sie zu überzeugen nicht zu gehen, da dies ein gefährliches Land sein kann, und sagte: „Ich wünschte, mich hätte man aufgehalten“. Aufgehalten in den Krieg zu ziehen. Niemand tat es. Nun zieht er einen großen Rattenschwanz aus Leid, Schmerz, Angst, Einsamkeit, Verlust und Tod hinter sich her.

Schon lange bevor überhaupt der Film in den Kinos anlief, gab es jeden Tag andere Kritikpunkte über den Film,was ich sehr interessant fand, da in dieser Zeit kein anderer Film so gehypt wurde, sei es positiv oder negativ.

„Grotesk- ultrabrutaler B-Movie- Splatter- Actioner, der wohl nur noch eingefleischte Fans befriedigen wird.“ filmstarts.de. Vielleicht ist diese Kritik berechtigt. Vielleicht ist dieser Teil von Rambo nur noch für die eingefleischten Fans geeignet. Aber es stört mich nicht, denn ich bezeichne mich als eingefleischten Fan und bin mehr als begeistert von dem Film. Ich kann nachvollziehen, dass die Mehrheit die Hände über dem Kopf zusammen schlägt, oder sich darüber lustig macht, dass noch immer neue Teile erscheinen. Aber vielleicht hat Silvester Stallone diesen Teil auch nur für die eingefleischten Fans gemacht? Im Grunde ist dieser Film auch entstanden, weil Stallone verdeutlichen möchte, wie schwer es Soldaten haben, die aus dem Krieg kommen, egal welcher Krieg.

Es gibt unendlich viele Staffeln von so vielen unterschiedlichen Serien, die immer weiter das Leben der Figuren zeigt, warum also sollte man nicht den weiteren Verlauf über das Leben von John Rambo zeigen?  Weil es einen Klassiker zerstören könnte? Weil Stallone älter geworden ist und niemand mehr einen Mitte 70 Jährigen in diesen Rollen sehen möchte? Profit ist wohl das Wort, welches in diesen Zusammenhängen immer wieder auftaucht, aber manchmal ist es einfach nur schön, noch ein wenig länger mit seinen Lieblingsfiguren, oder in diesem Falle, Rambo noch einmal zu den Waffen greifen zu sehen, egal wie traurig der Grund dafür ist. Ich finde seine Leistung beachtlich, vor allem wenn man bedenkt wie alt der Mann ist.

Er betont nochmals, dass er einfach nur nach Hause kommen möchte, aber bisher noch immer nicht angekommen ist und schon wieder alles verloren hat, was er geliebt und wofür er gekämpft hat.

Ist es wirklich notwendig, eine solche Filmreihe weiterhin fortzusetzen? Ich glaube, das muss jeder für sich selbst beantworten. Ich für meinen Teil bin immer ein bisschen skeptisch, da ich immer die Befürchtung habe, dass die Grundstory sich im Sand verliert und man nur noch des Profites wegen weiterproduziert. So ergeht es mir mit einigen Filmreihen. Aber ich muss zugeben, dass ich im Bezug auf Rambo positiv überrascht bin. Es gibt für mein Empfinden keine Story, die an den Haaren herbei gezogen ist, alles fügt sich und ergibt im Laufe der Geschehnisse Sinn.

Rambo verändert sich im Laufe der Zeit, was er auch darf und soll, denn auch er ist nur ein Mensch. Er ist älter geworden und darf auch mal ein bisschen länger für etwas brauchen, darf auch mal krumm und schief in der Ecke stehen, weil ihm vielleicht das Knie weh tut. Er rennt auch nicht mehr wie ein junger Gott von 20 Jahren von A nach B, sondern bewegt sich nun mal wie ein in die Jahre gekommener Mann, was die Geschichte auch abrundet und realistisch darstellt.

Im Vergleich zu den ersten drei Teilen, ist Last Blood ein wenig ruhiger, denn John Rambo kämpft in einem anderen“Dschungel“, in einer anderen Zeit und unter anderen Umständen. Er befindet sich in keinem Kriegsgebiet und dementsprechend finde ich den Aufbau des Filmes gelungen.

Was ich zum Schluss sagen möchte: Thanks to Silvester Stallone for this movie and for the character John Rambo.


Bildquelle: Balboa Productions


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