BuchBerlin 2019–Leidenschaft für unabhängige Literatur

von Mona Schlachtenrodt
Fotos von Mercy Ferrars

Ende November fand im Herzen Berlins zum 6. Mal die BuchBerlin statt, welche sich dadurch auszeichnet, dass sich hier vor allen Dingen kleinere Indie-Verlage sowie Selfpublisher finden. Rund 300 Aussteller*innen präsentierten dieses Jahr voller Herzblut ihre Werke und Verlage. Dank vergleichsweise niedriger Standgebühren bekommen Autor*innen und Verlage eine Plattform, die sich die großen Buchmessen nicht leisten können. Sie kämen aus ganz Deutschland angereist, um diese Chance wahrzunehmen, berichtet Organisatorin Steffi Bieber-Geske. Es werde viel gekauft und einige Verlage würden sogar ihr Jahresgeschäft auf der BuchBerlin machen. Auch den Eintrittspreis halte man bewusst niedrig, damit sich möglichst jede*r einen Besuch leisten kann.

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Auf zwei Hallen verteilt finden sich bunt durcheinandergewürfelt die Herzensprojekte der Aussteller*innen, die jedes Werk mit entsprechender Begeisterung anpreisen. Die dominanten Genres sind Fantasy, Krimi/Thriller und Erotikromane. Die Stände sind mit viel Liebe gestaltet und die Menschen dahinter nicht selten in dazu passende Cosplays gehüllt. Besucher*innen können sich mit Bonbons, Lesezeichen und anderen Goodies bestechen lassen und die Begeisterung der Autor*innen für ihre Werke erleben. Zahlreiche Leseproben helfen dabei, sich von den einzelnen Werken zu überzeugen. Neben der Vielzahl an reiner Unterhaltungsliteratur wird die BuchBerlin hier und da auch für politische und gesellschaftskritische Themen genutzt. Eine Kategorie, die nicht ganz so viel Raum einnimmt wie Fantasy, jedoch deutlich sichtbar ist, sind queere Romane. Zum größten Teil lassen sich diese wohl als Unterkategorie der Erotikromane einordnen. Die vielen Pride-Flaggen lassen jedoch auch ein politisches Bewusstsein erkennen. Ein anderes Beispiel für Gesellschaftskritik auf der BuchBerlin ist der in Oldenburg lebende und sich selbst als Humanisten bezeichnende Autor Abdul Jabber, der seine zwei Romane und sein Märchenbuch präsentiert. Alle drei Werke sprechen auf ihre Weise aktuelle gesellschaftliche Probleme wie patriarchale Strukturen, Armut und Tierrechte an.

Eine weitere Autorin, die wir auf der Messe trafen, ist Andrea Maluga, die ihre Bücher bei Indipendent Bookworm verlegen lässt. Zuletzt hat Maluga zusammen mit anderen unabhängigen Autor*innen eine Anthologie herausgegeben, die sich aus verschiedenen Richtungen dem Thema Fremdheit nähert. In Berlin leitet sie eine Schreibwerkstatt für Jugendliche zwischen 10 und 16 Jahren, die bei gemeinsamen Ausflügen nach Inspiration suchen und sich anschließend gemeinsam in der Kunst des Schreibens üben. 

Diese gegenseitige Unterstützung und Förderung von Autor*innen und Neulingen ist ein zentrales Element der BuchBerlin.

Neben den Ständen der Verlage und Selfpublisher finden sich auch einige Aussteller*innen, die verschiedene Beratungsangebote und andere Formen der Unterstützung wie das Vermitteln eines Lektorats anbieten. Die Begeisterung für Literatur bringt nicht nur Elan für die eigenen Werke mit sich, sondern inspiriert auch einige zu Engagement, das durch strukturelle Herangehensweisen die Indiebuchszene bereichern möchte. So hat beispielsweise die Verlegerin und Autorin Katharina Gerlach ein Gütesiegel namens Qindie ins Leben gerufen, das die Qualität von Indie-Publikationen kennzeichnen soll. Autor*innen können dort aussagekräftige Leseproben ihrer Romane einsenden, die dann von dem Autorenkollektiv geprüft und gegebenenfalls mit dem Siegel versehen werden.

BuchBerlin2.jpgKatharina Gerlach mit einer Informationsbroschüre zum Qindie-Siegel. Links neben ihr zu sehen: Die brandneue Anthologie „Fremd!“ aus der Feder eines Autorenkollektivs rund um Autorin Andrea Maluga.

Lohnt sich nun alles in allem der Besuch der BuchBerlin? Die Antwort ist: Es kommt darauf an, welche Interessen man hat. Es lohnt sich auf jeden Fall, wenn man selbst mit dem Gedanken spielt, ein Buch zu veröffentlichen, oder sich aus anderen Gründen für Selfpublishing und Nischenprojekte interessiert. In dem Fall bekommt man dort Unterstützung und Erfahrungsberichte in einem sehr persönlichen Rahmen. Ist man leidenschaftliche*r Fantasy-Liebhaber*in und schätzt es, mit den Autor*innen ins Gespräch zu kommen, wird man in keinem Fall enttäuscht. Diese Messe ist vermutlich nicht für jede*n Literaturliebhaber*in etwas. Gehört man jedoch zu den Leser*innen, die eine besondere Leidenschaft für mindestens eine der drei am stärksten vertretenen Genres Fantasy, Krimi und Erotik haben, sollte man die BuchBerlin für das kommende Jahr auf die Liste der geplanten Unternehmungen setzen.


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