6 neue Serien, die uns den April versüßen

von Mercy Ferrars und Esther Bartke

Mercys Empfehlungen:

Killing Eve

© BBC America/Sid Gentle Films/Jason Bell

Wer mich kennt, der weiß, dass ich alles von Phoebe Waller-Bridge verschlinge, was mir in die Hände fällt. Da ich bekennender Fan von Crashing und Fleabag bin, war es höchste Zeit, mich endlich auch an Killing Eve zu probieren. Neben Waller-Bridge als Showrunnerin war Grey’s Anatomy Star Sandra Oh ein weiterer Grund für meine Neugier—konkreter war es das Versprechen der Vermählung von Waller-Bridges leichtfüßigem Humor, der Komplexität ihrer Dramaturgie und Ohs schauspielerischer Exzellenz, die sich vor allen Dingen in den dunkleren Facetten der menschlichen Emotionspalette ausdrückt. Killing Eve lässt sich nicht ansatzweise mit Fleabag oder Crashing vergleichen. Es ist erwachsen, dunkel und intensiv, durchzeichnet von einer subtilen Homoerotik zwischen Eve Polastri (Sandra Oh), einer amerikanischen Geheimagentin, und Villanelle (Jodie Comer), einer russischen Auftragsmörderin. Über die bestehenden zwei Staffeln erfinden sich beide Frauen wieder und wieder völlig neu und so verfolgen wir fasziniert das Katz-und-Maus-Spiel zwischen der kreativen Mörderin und der entschlossenen Agentin.

Startdatum: Die dritte Staffel startet am 12. April auf BBC America. Auch auf Amazon Prime und Hulu ist die Serie verfügbar.

Black Lightning

Black Lightning / The CW / Netflix

Black Lightning besitzt einen Charme und eine Glaubwürdigkeit, die vielen anderen Superheldenserien fehlt. Natürlich geht es auch hier um Superheld*innen mit übernatürlichen Fähigkeiten, die irgendwie unantastbar sind, ein bisschen zu enge Superheldenanzüge tragen und die eigene Identität scheinbar mit nichts als einer herzlich knapp ausfallenden Maske völlig verschleiern können. Doch Black Lightnings Jefferson Pierce (Cress Williams) ist ein einnehmender, fesselnder Charakter, dessen Darstellung des elektrisierenden Superhelden Freelands erfrischend authentisch und bodenständig ist. Wo Supergirl oder The Flash häufig gegen schlecht kostümierte Bösewichte in billig geplotteten Storyarchs verschwinden, hört Jefferson Pierce wunderbar souligen Jazz und sieht es als seine Aufgabe, nicht nur Freeland vor Bösewichten zu beschützen, sondern auch seine Schüler davor, auf die schiefe Bahn zu geraten. Black Lightning beschäftigt sich über das klassische Super- und Antihelden-Konstrukt hinaus mit Schwarzer Geschichte und dem fortwährenden Kampf gegen den Rassismus, besonders durch Polizeiapparat und Regierung. Dieser Aspekt kommt besonders in der dritten Staffel hervor, in welcher Pierce mit seiner Familie und einer Widerstandsgruppe sowohl gegen eine korrupte Regierungseinrichtung als auch gegen Feinde aus Markovia vorgehen muss. In dieser Staffel bezeugen wir nicht nur übergreifende Charakterentwicklungen, starke weibliche Hauptfiguren, merkwürdige Allianzen zwischen zuvor verfeindeten Parteien und den Kampf um die Befreiung der Metahumans aus der Gefangenschaft der ASA, sondern auch einen wertvollen Lehrmoment der Black History. Das Midseason-Finale ist Teil des jährlichen Arrowverse Crossovers („Crisis on Infinite Earths“), in welchem Black Lightning zum ersten Mal einem weiteren Publikum vorgestellt wird—neben seinen Kolleg*innen Arrow, The Flash, Supergirl, Legends of Tomorrow und Batwoman.

Startdatum: Die dritte Staffel der D.C.-Superheldenserie wurde Mitte März auf Netflix ausgestrahlt.

Dare Me

Dare Me / Netflix

Dare Me ist empfehlenswert für alle, die sowohl YOU als auch Riverdale lieben und Lust auf Intrigen und starke weibliche Figuren haben. Es geht um ein Cheerleading Squad, welches eine neue Trainerin bekommt. Doch die Neue hat Geheimnisse, von denen natürlich die Falschen erfahren. Dare Me bietet einen Rausch aus starken weiblichen Hauptfiguren, High School Drama, der harten Realität des Cheerleading Sports, plakativem Blutvergießen und einem fesselnden homoerotischen Subtext. Besonders überrascht war ich vom gar nicht mal so subtilen Feminismus, der in den Figuren und ihren Handlungen klaren Ausdruck bekommt. Zugegebenermaßen ist die feministische Ausrichtung der Hauptcharaktere nicht in jener Szene voll ausgereift; dennoch ist es ein erfrischendes Storytelling im Vergleich zu anderen, oft anstrengend heteronormativ ausgeprägten Teenagerserien. Und auch das Cheerleading wird angenehm unpoliert portraitiert—vom harten Trainingsalltag bis hin zu ernsthaften Verletzungen präsentiert Dare Me seine Cheerleader als hart arbeitende Leistungssportlerinnen. Ein weiteres Plus: Eine hochwertige Postproduktion, die in langsamen, dunklen Bildern poetisch und intensiv von einem unvermeidbaren Mord erzählt.

Startdatum: Die erste Staffel wurde Ende März auf Netflix ausgestrahlt.

Esthers Empfehlungen:

Feel Good

Feel Good / Netflix

Mae Martin hat mit ihrer Netflix Serie Feel Good die Gebete der queeren Community erhört und der Zuschauerschaft eine wahre Achterbahnfahrt (queerer) Gefühle geschenkt. Die Serie behandelt alles rund ums Erwachsenwerden, von problematischen familiären Beziehungen bis hin zur (Drogen)Abhängigkeit und natürlich, nicht zuletzt, der Liebe. Die Protagonist*innen George (Charlotte Ritchie) und Mae (Mae Martin) begegnen sich in Folge eins, die Chemie zwischen den Beiden ist sofort unbestreitbar präsent und ihre turbulente Fahrt beginnt.

Stand-up Comedian Mae—porträtiert von Martin, die auch im echten Leben diesen Beruf ausübt—erzählt auf der Bühne von ihrer Lebensrealität als queere Person, von verflossenen Beziehungen und ihrem Umgang mit ihrer (überwundenen) Drogenabhängigkeit. In einem Interview mit NME erklärt Martin, je persönlicher das Drehbuch, desto universeller sei das Erzählte. Sie scheint Recht zu behalten, der Hashtag relatable erreicht mit dieser Serie eine neue Ebene an Bedeutung. Auch George repräsentiert eine wichtige Rolle innerhalb der queeren Community. In ihrer Beziehung zu Mae entdeckt sie das erste Mal ihre Homosexualität und hat ganz offensichtlich Hemmungen sich ihrer überwiegend heteronormativ geprägten Freund*innengruppe anzuvertrauen, geschweige denn ihnen Mae vorzustellen. Feel Good ist witzig, emotional und ehrlich. Die Charaktere sind unbeholfen und menschlich, was sie (meist) sympathisch und echt macht. Nicht zuletzt profitiert die Serie von Lisa Kudrow in der Rolle von Maes Mutter und den liebenswerten Nebencharakteren, die den schweren Szenen das richtige Maß an Leichtigkeit verleihen. Auch die Kamera und Belichtung überzeugen mit einer modernen und angenehm vertrauten Atmosphäre. Eine Art Lichtfestival der Gefühle erwartet euch.

Startdatum: Die erste Staffel wurde Ende März auf Netflix ausgestrahlt.

Elite

Elite / Netflix

Auch die dritte Staffel der spanischen Coming-of-Age-Serie Elite erzählt von einem Mord und bleibt somit ihrem Murder-Mystery-Aspekt treu. Die Serie wirkt wie eine düstere Version von High School Musical mit Spring Break Vibes und einer Ästhetik à la Riverdale und Haus des Geldes. Ein absolutes guilty pleasure, für welches man sich jedoch nicht schämen braucht. Die Handlung wird wie in den vorherigen Staffeln rückläufig erzählt. Mit jeder Folge setzt sich das bis dato ungelöste Puzzle Stück für Stück zusammen. Elite behandelt Themen wie gesellschaftliche Ungleichheit, Sexualität und Macht. Während die luxuriösen Villen und Klamotten der Reichen einfach schön zum Anschauen sind, sorgt die Komplexität der Charaktere und ihre verwobenen Beziehungen untereinander für ordentlich Spannung. Ein weiterer Pluspunkt, und wahrscheinlich großer Unterschied zu herkömmlichen Coming-of-Age-Serien, sind die Charakterentwicklungen der Protagonist*innen. Wer sich berieseln lassen will, aber trotzdem etwas Nervenkitzel braucht, ist hier genau richtig.

Startdatum: Die dritte Staffel wurde Mitte März auf Netflix ausgestrahlt.

Nailed It!

Nailed It! / Netflix

Eine wirklich leichte und dazu extrem unterhaltsame Kost ist die Netflix Backshow Nailed it! In dieser Show versuchen sich wahnsinnig untalentierte Hobby-Bäcker*innen an unterschiedlichsten Kuchen, Plätzchen und Cake-Pops. Moderatorin Nicole Byer schafft es die Kandidat*innen immer wieder ins Schwitzen und die Zuschauer*innen zum Lachen zu bringen. Ihr zur Seite stehen Jacques Torres, ausgebildeter Konditor und Chocolatier, sowie ein stetig wechselnder prominenter Gast. Nach jeder Backrunde wird probiert, was verzehrbar wirkt, und nach Geschmack bewertet. Ob die Show als Backinspiration, Aufwertung des Egos (bezüglich der eigenen Backkünste) oder einfach zur Unterhaltung dient, bleibt dem Publikum überlassen. Wenn möglich sollte die Show unbedingt im Originalton (Englisch) geschaut werden. I promise you, it’s hilarious!

Startdatum: Die vierte Staffel wurde Anfang April auf Netflix ausgestrahlt.


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