PHILOSOPHIE, GESELLSCHAFT

Psychosomatik—eine Antwort auf Dualismus von Körper und Geist in der Moderne?

by MERCY FERRARS

10/05/2020

Das Leib-Seele-Prob­lem in der Philoso­phie ist eine der zeit­los­es­ten Grund­fra­gen der Menschheit.

Doch zunächst: Wieso ist das Leib-Seele-Prob­lem so zen­tral für die Philoso­phie? Seit jeher wid­men sich Philosophen der Frage, ob der Men­sch in sein­er Natur ein kör­per­lich-materielles oder ein geistig-seel­is­ches Wesen ist. Konkreter stellen sich Philosophen Fra­gen zum Ver­hält­nis zwis­chen Kör­p­er und Geist, beispiel­sweise der Frage danach, wie sich kör­per­liche Prozesse und Bewusst­sein­szustände gegen­seit­ig bee­in­flussen. Sind wir eine bloße Mas­chine, die Summe ihrer Teile? Oder gibt es etwas Ungreif­bares, etwas dem Blick Ent­glei­t­en­des, was uns über bloße Natur hin­weg men­schlich macht?

Eine ein­heitliche Antwort auf das Leib-Seele-Prob­lem gibt es nicht. Allerd­ings gibt es in der the­o­retis­chen Philoso­phie einige Ansätze, die ver­suchen, auf das Prob­lem zu antworten.

Im soge­nan­nten Dual­is­mus (Gegen­sät­zlichkeit, Polar­ität) argu­men­tiert unter anderem René Descartes, dass Geist und Kör­p­er zwar zwei klar voneinan­der abge­tren­nte Sub­stanzen seien, wovon die erste imma­teriell und die zweite materiell sei, sie jedoch miteinan­der inter­agieren kön­nten. Also: Wir sind nicht nur Mas­chine, son­dern wir tra­gen auch einen Geist. Diese bei­den Sub­stanzen kön­nen nach Descartes allerd­ings auch unab­hängig voneinan­der existieren, es sei also möglich, dass beispiel­sweise der Geist ohne Kör­p­er über­lebe. Etwas grif­figer wird das Konzept vielle­icht, wenn wir den Geist durch „Seele“ ersetzen—so trösten wir uns in abendländis­ch­er Tra­di­tion oft damit, dass unsere Seele nach dem Tod noch ‚bleibt‘. Der Dual­is­mus erken­nt allerd­ings an, dass Kör­p­er und Geist sich gegen­seit­ig bee­in­flussen kön­nen, unter Anderem wenn Zustände im Kör­p­er ein­er Per­son Zustände in ihrem Geist verur­sachen (beispiel­sweise ver­let­ztes Gewebe und Schmerzwahrnehmung) oder geistige Zustände wiederum Zustände im Kör­p­er ver­an­lassen (beispiel­sweise Willen und Handlungen).

Im Monis­mus wird hinge­gen von ein­er Zurück­führung der Welt auf ein einziges Prinzip aus­ge­gan­gen. Das bedeutet, dass man im Monis­mus stets entwed­er Kör­p­er oder Geist ide­al­isiert und die men­schliche Erfahrung auf auss­chließlich einen Ursprung zurück­führt. Es gibt einige Abwe­ichun­gen inner­halb des Monis­mus, aber unge­fähr lässt er sich in zwei Hal­tun­gen zusammenfassen.

Der mate­ri­al­is­tis­che Monis­mus reduziert das men­schliche Bewusst­sein auf Vorgänge im Organ­is­mus, im ‚Organ Gehirn‘. Auch die neu­ro-kog­ni­tiv­en Wis­senschaften scheinen überzeugt, dass das, was sie als ‚Bewusst­sein‘ verstehen—nämlich die Fähigkeit, die Welt wahrzunehmen, über sie zu urteilen und sie in kon­textuelle Verbindun­gen herzustellen—eigentlich monis­tisch einzuschätzen ist. Unser ‚Bewusst­sein‘ sei dem­nach Teil eines natür­lichen Organ­is­mus und eine inhärent im Men­schen ver­füg­bare Funk­tion zur Selb­ster­hal­tung, die sowohl an unseren Kör­p­er gebun­den sei als auch durch ihn erhal­ten werde.

Der ide­al­is­tis­che Monis­mus hinge­gen beste­ht darauf, dass die materielle Welt sich nur durch die Wahrnehmung mit­tels eines Bewusst­seins bed­ingt. Der wohl bekan­nteste Vertreter dieser Posi­tion in der Pop­ulär­philoso­phie ist Pla­ton. In der christlichen Welt sind wir stark von einem Pla­ton­is­mus bee­in­flusst, welch­er im christlichen Denken für eine Ide­al­isierung des Geistes und Bewusst­seins und eine Abw­er­tung alles Materiellen, und somit auch alles Kör­per­lichen, sorgte.

Was uns das Leib-Seele-Prob­lem zeigt, ist das zeit­lose Inter­esse der Men­schheit am Ver­hält­nis zwis­chen Geist und Kör­p­er. Unsere per­sön­lichen Überzeu­gun­gen sind zweifel­sohne durch kul­turelle Konzepte gefiltert, die in unser­er Lebenswelt repro­duziert wer­den: durch Reli­gion, vorherrschende Dog­ma­ta oder akademis­che Bil­dung. Das Aufkom­men der Psy­cho­so­matik ist also ein logis­ch­er Schritt im Nach­denken über dieses Problem—aber kann sie unser ges­paltenes Ver­ständ­nis von Kör­p­er und Geist lösen?

Im Christentum idealisieren wir den Geist, trotzdem haben wir in der europäischen Geschichte psychische Leiden stark missdeutet und gestraft.

Im Chris­ten­tum sind wir von ein­er monis­tis­chen Kul­tur geprägt. In christlich­er Tra­di­tion ide­al­isieren wir den Geist und ver­schmähen den Kör­p­er als „Weltlich­es“, als sündi­ges Fleisch. Und obwohl wir den Geist ide­al­isieren, trat man men­taler Gesund­heit mit weitaus größeren Zweifeln ent­ge­gen als der kör­per­lichen Gesund­heit. Wo der Kör­p­er das Greif­bare darstellt, das Materielle, das Fleisch, welch­es sich auf­schnei­den, unter­suchen und repari­eren lässt, da zeigt sich das Geistige als das sich dem Blick Ent­glei­t­ende, als vager, schemen­hafter Symp­tomkom­plex, der sich natür­lich schw­er kon­trol­lieren lässt.

Mittelalter und Dämonologie 

Wer im Mit­te­lal­ter an ein­er psy­chis­chen Erkrankung litt, dem wurde nachge­sagt, vom Teufel oder von Dämo­nen besessen zu sein. Im dominieren­den christlichen Glauben wur­den psy­chis­che Lei­den als Strafe Gottes inter­pretiert und somit religiös gerecht­fer­tigt. Doch nicht nur psy­chisch Kranke wur­den mythol­o­gisiert, son­dern auch Frauen und Homo­sex­uelle, die von der sex­uellen Norm abwichen, kurzum: die nach katholis­chem Glauben „sündigten“. Auch hier stand der vom Chris­ten­tum ver­schmähte Kör­p­er stets im Mit­telpunkt von Sank­tio­nen und Regel­w­erken, die darauf abziel­ten, ihn zu zäh­men und zu kon­trol­lieren. Die Lösung für unzüchtiges Ver­hal­ten sowie für geistige Ver­wirrung war für die Katholis­che Kirche Zucht und Strafe. „Behand­lungsmeth­o­d­en“ umfassten beispiel­sweise Folter und Exorzis­mus, nicht sel­ten bis zum Tode. „Hex­en“ wur­den ver­bran­nt, psy­chisch Kranke wur­den in Anstal­ten am Rande der mit­te­lal­ter­lichen Städte zusam­mengetrieben, gefes­selt und ihrem eige­nen Schick­sal über­lassen. Manch­mal wur­den sie auch zur Unter­hal­tung der Gesellschaft vorge­führt. Das Zeital­ter, das von einem starken Glauben an die Dämo­nen­lehre geprägt wurde, war davon überzeugt, dass man psy­chisch Erkrank­te und „sex­uell unzüchtige Verbrecher*innen“ wieder zur Norm bekehren könne, wenn man sie nur ordentlich bestrafe.

Viktorianismus und Hysterie

Im frühen vik­to­ri­an­is­chen Zeital­ter, welch­es Frauen die Häus­lichkeit und Gesit­tung zuwies, wurde die Hys­terie als Pauschalurteil für all jene Symp­tome ent­wor­fen, die sich nicht durch organ­is­che Befunde erk­lären ließen. Um der Diag­nose den­noch eine medi­zinis­che Sub­struk­tur zu ver­lei­hen, wurde die Hys­terie wiederum auf die organ­is­che Beschaf­fen­heit des weib­lichen Kör­pers zurück­ge­führt. Diese Diag­nose der Hys­terie geht auf einen antiken Griechen zurück. Als ‚hys­tera‘ (zu Deutsch „Uterus“) tauchte der Begriff zum ersten Mal in den Schriften des Hip­pokrates auf. Das „Wan­dern“ des Uterus galt in seinen Schriften als Ursache der symp­to­ma­tis­chen Kri­te­rien der Hys­terie. Um die Jahrhun­der­twende beschäftigte sich unter anderem Sig­mund Freud im Rah­men der Psy­cho­analyse mit der Hys­terie und veröf­fentlichte 1895 schließlich Stu­di­en dazu. Unter Freud entwick­elt sich die Hys­terie als eine psy­chis­che Wieder­hol­ung eines erlebten Trau­mas, welche sich schließlich in ‚hys­ter­ischen‘ kör­per­lichen Zustän­den äußere:

Vor­trag von Dr. Sig­mund Freud am 11. Jan­u­ar 1893:

„[…] bei der Pflege ihres kranken Vaters [hat­te sie sich] eine schwere und kom­plizierte Hys­terie mit Läh­mungen, Kon­trak­turen, Sprach- und Sehstörun­gen und allen möglichen psy­chis­chen Beson­der­heit­en zuge­zo­gen […]. Dieser Fall wird seine Bedeu­tung für die Geschichte der Hys­terie behal­ten, denn er war der erste Fall, wo es dem Arzte gelang, alle Symp­tome des hys­ter­ischen Zus­tandes zu durch­leucht­en, von jedem Symp­tom die Herkun­ft zu erfahren und gle­ichzeit­ig den Weg zu find­en, dieses Symp­tom wieder zum Ver­schwinden zu brin­gen; es war sozusagen der erste durch­sichtig gemachte Fall von Hysterie.“

Nationalsozialismus und Nachkriegsgeneration

Während des Nation­al­sozial­is­mus fie­len viele psy­chisch Kranke schließlich dem soge­nan­nten Euthanasiepro­gramm zum Opfer, welch­es auf einem men­schen­feindlichen Gedankengut basierte, das bere­its zu Zeit­en Freuds unter Ärzten und Psy­chi­atern aufkam. Es wird jet­zt nicht mehr an den Teufel geglaubt, der Patient*innen in den Knochen steckt. Stattdessen wird mit nation­al­sozial­is­tis­ch­er und men­schen­ver­ach­t­en­der Pro­pa­gan­da für Gen­rein­heit und Rassen­hy­giene argu­men­tiert. Psy­chisch Kranke wer­den zwangsster­il­isiert und später ermordet.

Nach dem Ende des Zweit­en Weltkrieges wird die Nachkriegs­gen­er­a­tion geboren. Die zwis­chen 1946 und 1955 Gebore­nen lei­den auf zwei Weisen unter dem kollek­tiv­en Trau­ma des vorherge­gan­genen Weltkrieges: Zum einen wer­den sie in den Trüm­mern eines zer­ris­se­nen Lan­des geboren. Zum anderen dominiert die Stille am Küchen­tisch. Über Gefüh­le, Äng­ste und Trau­ma­ta wird nicht gesprochen, sie wer­den sog­ar ver­harm­lost und vermieden.

Die Kriegskinder, die jet­zt Eltern sind, schweigen. Der Schock des Krieges sitzt tief—so auch die Zweifel.

Nicht nur ist es schw­er, über die eige­nen Gefüh­le zu sprechen—die Gefüh­le der eige­nen Kinder haben auch keinen Platz in der Fam­i­lie. Die Nachkriegs­gen­er­a­tion lernt also ihrer­seits, zu ver­s­tum­men. Per­sön­liche Kämpfe macht man mit sich selb­st im Stillen aus. Nach außen zählt der gute Ein­druck. Trau­ma­tis­che Erfahrun­gen wer­den auch in dieser Gen­er­a­tion unter­drückt und ver­drängt und richt­en schließlich tiefe psy­chis­che Schä­den an—über die anschließend auch nicht gesprochen wird. Eine Tak­tik, welche sich die Kriegskinder aneigneten, um zu über­leben: ver­suchen, nicht anders zu sein, sich keinem anzu­trauen, um sich­er zu sein. Eine Maß­nahme zur Über­lebenssicherung der einen Gen­er­a­tion wirkt sich also als dys­funk­tionaler Bewäl­ti­gungsmech­a­nis­mus auf die näch­ste Gen­er­a­tion aus.

Gle­ichzeit­ig kom­men in den 1950er Jahren die ersten Psy­chophar­ma­ka auf den Markt, 1958 schließlich das erste Anti­de­pres­sivum. Es scheint eine Ver­lagerung im Diskurs um men­tale Gesund­heit zu geben, in der erste Schritte getan wer­den, um das Gespräch in eine neue Rich­tung zu navigieren. Der Ansatz gegenüber psy­chis­ch­er Gesund­heit wird langsam human­itär­er, es wer­den Medika­mente entwick­elt, es wird geforscht. Auch wenn die medi­zinis­che Behand­lung der Betrof­fe­nen noch stark uner­probt scheint, so öffnet sich endlich eine Chance für Patien­ten hin zur Akzep­tanz und Heilung. 

Die Generation Y

Meine Gen­er­a­tion, die Gen­er­a­tion Y—zwischen 1981 und 1995 geboren—zeigt einen offeneren Bezug zu psy­chis­chen Lei­den. Gesellschaftlich­er Wan­del und kul­turelles Umdenken ist stets ein Prozess, welch­er sich über viele Gen­er­a­tio­nen zieht. Wir sind die Kinder der Nachkriegs­gen­er­a­tion, die, die stumm blieb. Die, die verun­sichert ist, weil die Gen­er­a­tion Y so laut und offen über ein The­ma spricht, was his­torisch so stig­ma­tisiert ist, dass wir, selb­st jet­zt, sehr vor­sichtig sind, wem wir von unseren Lei­den erzählen. Doch es zeigt sich auch, dass viel mehr Men­schen unter den ‚Volk­skrankheit­en‘ der Depres­sion und Angst lei­den, als zunächst angenommen—es ist sog­ar die Rede von ein­er Pan­demie der Ein­samkeit und Depres­sion. Die Frage, weshalb sich diese Zustände zu pan­demis­chen Aus­maßen entwick­elt haben, ist ohne Zweifel nicht nur eine his­torische, son­dern vor allen Din­gen auch eine wirtschaftliche und poli­tis­che. Wir sind die Ther­a­pie-Gen­er­a­tion. Wir suchen uns Therapeut*innen, wir geben zu viel von uns preis, wir sind Aktivist*innen, wir füllen das Inter­net mit unseren Geschicht­en, wir wollen gese­hen wer­den. Und plöt­zlich zeigt sich eine Ver­let­zlichkeit, die nun mal auftritt, wenn man aufhört, Dinge totzuschweigen, son­dern anfängt, über sie zu sprechen. Es scheint manch­mal ein­fach­er, den Schmerz und das Trau­ma tief im Unter­be­wusst­sein ver­graben zu lassen, schließlich ist es da gut ver­staut. Und doch weiß die Gen­er­a­tion Y: Es wird nicht bess­er, wenn wir uns verstecken.

Wie die Psychosomatik Körper und Geist versöhnt

Sind geistige und kör­per­liche Lei­den also in ein­er unver­mei­dlichen Zweit­eilung ver­loren? Im späten 19. Jahrhun­dert entwick­elt sich par­al­lel zu wider­sprüch­lichen Ein­stel­lun­gen zur psy­chis­chen Gesund­heit eine mod­erne Diszi­plin, um der Welt eine Ver­söh­nung vorzuschla­gen und sich dog­ma­tisch überspan­nend mit der Beziehung zwis­chen kör­per­lich­er und geistiger Gesund­heit zu beschäfti­gen: die Psychosomatik.

„Die Geschichte der Medi­zin unter­stre­icht seit den früh­esten Anfän­gen eine ärztliche Per­spek­tive, die das erkrank­te Indi­vidu­um selb­st, seine Lebensweise und seine psy­chosoziale Umwelt in den Mit­telpunkt des diag­nos­tis­chen und ther­a­peutis­chen Han­delns stellt (Ack­erknecht 1982). Sie begrün­det in aufeinan­der­fol­gen­den his­torischen Etap­pen eine Entwick­lungslin­ie eines holis­tis­chen Krankheitsver­ständ­niss­es und ein­er hier­mit kor­re­spondieren­den ärztlichen Prax­is. Spätestens ab Mitte des 19. Jahrhun­derts zeich­net sich ein auf­fäl­liger Kon­trast zu ein­er anderen Konzep­tu­al­isierung von Krankheit ab, die primär auf einen definierten struk­turellen Organ­schaden oder eine organ­be­zo­gene Dys­funk­tion fokussiert. In dieser Per­spek­tive gerät das erkrank­te Indi­vidu­um selb­st sukzes­siv in den Hin­ter­grund der medi­zinthe­o­retis­chen Über­legun­gen und der ärztlichen Hand­lungsweisen.“, schreibt das ärztliche Fort­bil­dungsportal Springer­Medi­zin.

Psy­cho­so­ma­tis­che Medi­zin ist daher die Lehre an der Schnittstelle zwis­chen soma­tis­chen (kör­per­lichen) Lei­den und der Psy­che, dergestalt, dass die Psy­che soma­tis­che Lei­den nicht nur ver­stärken, son­dern auch aus­lösen kann. Es wer­den Wech­sel­wirkun­gen zwis­chen Kör­p­er, men­talem Befind­en und sozialer Lebenswelt unter­sucht, die zu einem ganzheitlichen Bild gelan­gen sollen. Der Men­sch in all sein­er Facetten­re­ich­heit ste­ht stets im Mit­telpunkt der Psy­cho­so­matik. Wenn der Men­sch in sein­er Gänze unter­sucht wird, anstatt nur als Teile ein­er Mas­chine behan­delt zu wer­den, dann wer­den diese Wech­sel­wirkun­gen sicht­bar. In der psy­cho­so­ma­tis­chen Heilung ergänzen sich also schul­medi­zinis­che wie psy­chol­o­gis­che Therapien.

„In psy­cho­so­ma­tis­chen Regelkreisen ste­ht das seel­is­che Erleben damit in ein­er engen wech­sel­seit­i­gen Beziehung mit den rein kör­per­lichen Vorgän­gen, ver­mit­telt durch das Zen­tral­ner­ven­sys­tem, das Immun­sys­tem und das endokrine Sys­tem“ heißt es im Spek­trum Lexikon der Psy­cholo­gie. Typ­is­che psy­cho­so­ma­tis­che Lei­den sind beispiel­sweise das Asth­ma bronchiale, die Neu­ro­der­mi­tis; aber auch ein­fachere Lei­den wie Magen- und Ver­dau­ungs­beschw­er­den, Schwindel und Kopf­schmerzen sowie Blutdruckleiden.

Kann die Psy­cho­so­matik also als Wun­der­mit­tel zur Lösung des Leib-Seele-Prob­lems ver­standen wer­den? Ganz so ein­fach ist die Antwort lei­der nicht. Ein­er­seits durch­bricht sie die abendländis­che Tra­di­tion, in welch­er religiöse Überzeu­gun­gen den Geist ide­al­isieren und schul­medi­zinis­che Kon­ven­tio­nen den Kör­p­er in den Mit­telpunkt rück­en. Sie unter­stützt ein Konzept des Men­schen, der ein leb­hafter Organ­is­mus ist, welch­er nicht nur zwis­chen Psy­che und Kör­p­er wech­sel­wirk­sam agiert, son­dern auch mit sein­er sozialen Umge­bung und seinen Lebensereignis­sen. Sicher­lich ist auch die räum­liche Ein­bindung der Psy­cho­so­matik in den Kliniken (wie beispiel­sweise in der Berlin­er Char­ité) ein Zeichen dafür, dass wir uns als Gesellschaft in die richtige Rich­tung bewe­gen. Auch wenn sie das Leib-Seele-Prob­lem nicht löst, so bietet sie Patient*innen endlich eine ganzheitliche Diag­nose, welche sie in ihrer Symp­to­matik ernst nimmt und ihnen den Weg zur Heilung bereitet.


EDITED BY MARTIN BÄCKERT.

Quellen:
https://www.bpb.de/apuz/270305/krankheit-als-werturteil-eine-kleine-geschichte-des-umgangs-mit-krankheit-und-kranken
https://www.glamour.com/story/the-history-of-doctors-diagnosing-women-with-hysteria
https://www.psychiatrie.de/psychiatriegeschichte/aera-der-psychopharmaka.html
https://www.britannica.com/science/conversion-disorder
https://www.sueddeutsche.de/kultur/hysterische-frauen-im-19-jahrhundert-wahnsinn-war-weiblich‑1.1230420
https://www.dgppn.de/schwerpunkte/psychiatrie-im-nationalsozialismus.html
https://taz.de/Kolumne-Psycho/!5547211
https://www.brgdomath.com/philosophie/erkenntnistheorie-tk10/exkurs-ideenlehre
https://www.argumentarium.ch/philosophie/leib-seele/77-dualismus
https://www.youtube.com/watch?v=lyu7v7nWzfo
Fer­rars, Mer­cy. Bewusst­seins-Instanz in der Mas­chine der Zukun­ft: Die Qualia des men­schlichen Bewusst­seins im Lichte der Kün­stlichen Intel­li­genz, MFPub­lish­ing, 2019.
https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC5795290
https://www.textlog.de/freud-psychoanalyse-psychischen-mechanismus-hysterischer.html
https://www.spektrum.de/lexikon/psychologie/psychosomatik/12179

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