10 Orte, an denen man zeitgenössische Architektur in Berlin bewundern kann (Teil 1)

von Mercy Ferrars

Berlin ist eine Stadt der Gegensätze. Auch ihre Architektur ist gegensätzlich, chaotisch und dabei stets Zeitzeugnis der historischen Entwicklung von Ort und Zeit. Und von Überzeugungen, die Stadt und Bevölkerung maßgeblich prägten. Altbauten stehen zwischen unliebsamen Wohnblöcken aus den 60er Jahren; schmuckhafte Renaissance-Bauwerke wechseln sich mit avantgardistischen, geometrischen Spiegelglas-Gebäuden ab. Dazwischen zwängen sich unzählige Sozialwohnprojekte, die unter anderem von namhaften Architekten geplant wurden – beispielsweise die Gropiusstadt in Neukölln vom Berliner Architekten Martin Gropius. Alte, charmant verfallende Stadtvillen, brutalistische Gebäude aus der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts und stalinistische DDR-Architektur runden das Bild ab.

In dieser Artikelserie macht sich unsere Autorin und Fotografin auf Tour, um drei verschiedene Stilrichtungen der Berliner Architekturgeschichte zu dokumentieren: Die zeitgenössische Architektur, den Brutalismus und die Stalinbauten.

In dieser Folge: Zeitgenössische Architektur (Teil 1)

© alle Fotos: Mercy Ferrars Photographer

Cube Berlin

Ein geometrisches Spiegelglas-Schmuckstück: Cube Berlin. Das von 3XN entworfene Bürogebäude steht auf dem Washingtonplatz vor dem Berliner Hauptbahnhof. Der Ausblick richtet sich etwa auf das Bundeskanzleramt und den Deutschen Bundestag. Das Cube Berlin sieht von weitem aus wie eine faszinierende Skulptur und lädt dazu ein, sich auf den Treppen vor dem Gebäude niederzulassen und die Reflektionen aus verschiedenen Perspektiven zu bewundern. Wie ein Kaleidoskop reflektiert es die Umgebung – den Himmel, den ebenfalls gläsernen Hauptbahnhof direkt daneben, und die Menschengruppen, die sich auf dem überschaubaren Washingtonplatz tümmeln.

Station: Hauptbahnhof

Design Offices Berlin Humboldthafen

Auf meinem Weg zu einem anderen Ziel laufe ich auf eine Reihe weißer, futuristischer Gebäude zu, die sich dystopisch und autoritär von der dunklen Straße und gegen einen dunkelblauen Himmel abheben. Die Design Offices am denkmalgeschützten Humboldthafen stehen in der Umgebung weiterer Designbauten, die allesamt ein futuristisches und beinahe unmenschliches Bild um den Hauptbahnhof bilden. “Der vom international angesehenen Architekten Hadi Teherani gestaltete achtgeschossige Komplex vereint zwei historische Gründerzeitstadthäuser zu einem neuen Objekt, das nichts weniger als eine architektonische Sensation ist. Wie ein Ozeanriese thront es über dem Humboldthafen und der Spree”, schreibt die berlindesignweek.

Station: Hauptbahnhof

Futurium

Das Futurium ist das “Haus der Zukunft”. Als solches wirkt es auch, und wurde passenderweise zwischen die Design Offices und andere extravagante, futuristische Gebäude am Alexanderufer nahe des Hauptbahnhofs gesetzt. Das Futurium wurde von den Richter Musikowski Architekten entworfen und erscheint wie ein Raumschiff, das gerade erst gelandet ist – die Spitzen des Schiffes berühren sanft den Boden, im dunklen Glas spiegelt sich der Himmel, und der Platz vor dem Gebäude wirkt wie eine futuristische Anlage eines Sci-Fi-Imperiums.

Station: Hauptbahnhof

Upper West

Das Upper West wurde unter anderem vom Architekten Christoph Langhof entworfen. Das 119 Meter hohe Gebäude in Berlin-Charlottenburg beherbergt ferner eine Hotelkette, eine Skybar und Einzelhandelsgeschäfte. Das Besondere am Hochhaus ist neben der Spiegelglasfassade seine extravagante geometrische Form, die Schritt für Schritt neue Perspektiven eröffnet.

Station: S Zoologischer Garten / U Kurfürstendamm

Jüdisches Museum Berlin

Das Jüdische Museum wurde vom Architekten Daniel Libeskind entworfen. Sein Entwurf trug den Namen “Between the Lines” und baut auf polaren Linien des Denkens und der Beziehungen auf. Mit seinem Titanzink und Beton, schrägen Wänden, unkonventionellen Reflektionen und viel Leerraum erzählt der Bau von der deutsch-jüdischen Geschichte. “Das Gebäude lässt viele Interpretationen zu: Manche erinnert es an einen zerbrochenen Davidstern, andere an einen Blitz; bei vielen hinterlässt es ein Gefühl der Verunsicherung oder Desorientierung”, schreibt das Jüdische Museum auf ihrer Website.

Station: U Hallesches Tor

Botschaft der Niederlande

Ein weiteres Schmuckstück ist die Botschaft der Niederlande am Spreeufer, entworfen vom Rotterdamer Architekten Rem Koolhaas. Das Gebäude interagiert spielerisch mit seiner Umgebung, welche es manchmal reflektiert, manchmal ganz absorbiert. Es verbindet sich mit einem überhöhten hellen Wohngebäude – welches die Botschaft so umgibt, dass sich auf der Rückseite ein geräumiger Innenhof auftut – zu einem spannenden Spiel aus Licht und Schatten, das  besonders in der Nachmittagssonne zu bewundern ist.

Station: U Klosterstr.

Mongolische Botschaft und Friedrichswerder

Auf dem Weg zu einem anderen Ziel laufe ich an unzähligen Designbauten vorbei und entschließe mich, sie genauer zu betrachten. Direkt am Hausvogteiplatz sticht die Mongolische Botschaft hervor, die durch ihre präzise Geometrie und die helle Farbe unter den eher barocken Gebäuden der Umgebung hervorsticht. Links und rechts davon ziehen sich extravagante, methodische und avantgardistische Gebäude, aus denen sich auch nicht recht erschließen lässt, ob sie als Wohn-, Büro- oder kommerzielle Bauten genutzt werden.

Station: U Hausvogteiplatz

Deutsches Historisches Museum und James-Simon-Galerie

An den Gendarmenmarkt grenzt  das Viertel Friedrichswerder —geprägt von beeindruckenden Botschaftsgebäuden, modernen Designerbauten und Altbauten des frühen 20. Jahrhunderts. Ein Spaziergang führt schließlich zum imposanten Berliner Stadtschloss und zum Deutschen Historischen Museum. Auf der Rückseite des barocken Altbaus befindet sich ein moderner, gläserner Anbau, der neugierige Blicke ins Innere einer Ausstellung zulässt. Wenige Schritte weiter hat man am Spreeufer einen fantastischen Ausblick auf die James-Simon-Galerie.

Station: S Hackescher Markt

Hochhäuser am Spittelmarkt

An den Spittelmarkt fahre ich ursprünglich, um Fotos für eine andere Fotostrecke zu machen (den Brutalismus). Aber die Gegend ist ein solches Patchwork verschiedenster Stile, dass ich direkt neben dem Gebäude, das ich fotografieren wollte, moderne Hochhäuser finde, die definitiv nicht einfach nur eine weitere Platte sind.

Station: U Spittelmarkt

Eindrücke aus der Berliner Stadtmitte

Zwischen Kochstraße und Checkpoint Charlie, Friedrichstraße und Gendarmenmarkt finden sich derart viele unterschiedliche Bauformen, dass man als Nichtarchitektin ganz schön überwältigt sein kann. Unter anderem fallen die Friedrichstadtpassagen ins Auge. Diese wurden bereits noch in der DDR geplant. In den 90er Jahren nach der Wende wurden sie noch während des Bauprozesses abgerissen und neu realisiert. Heute befindet sich hier das französische Edelkaufhaus Galeries Lafayette nach Plänen des französischen Architekts Jean Nouvel; daneben das Art & Fashion House, ein Art Déco Bauwerk nach Pei Cobb Freed & Partners; und abschließend das Quartier 205, welches vom Architekten Oswald Mathias Ungers geplant wurde.

Station: U Stadtmitte, U Französische Str.

© alle Fotos: Mercy Ferrars Photographer

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