Onlineshopping, Covid 19 & Weihnachten – im Zwiespalt mit dem ökologischen Gewissen?

von Sophie Lil­ian Knote

Schon lange steigt der Kon­sum um Wei­h­nacht­en herum jährlich an. Es müssen ja schließlich Geschenke gekauft werden!

Die let­zten Jahre jedoch spazierte man dabei gemütlich oder gestresst durch die Läden und Märk­te, um sich die schön­sten Dinge für die Lieb­sten rauszusuchen. Dieses Jahr wür­den wir zu gerne wieder durch die Wei­h­nachtsmärk­te schlen­dern, Glüh­wein trinken und Teelichter, Getöpfertes und anderen Schnickschnack erwer­ben – was jedoch lei­der nicht möglich ist. Denn auch Covid-19 ist ein Fan von dicht gedrängten Men­schenansamm­lun­gen. Und wir lei­der kein­er von ihm.

Also ver­mei­den wir es, so gut wir kön­nen, rauszuge­hen. Dazu gehört es auch, Geschenke dieses Jahr vielle­icht doch lieber online zu bestellen.
Bequem kann man hier eine Auswahl von Din­gen bestellen, von denen man durch die Bilder der Shop­ping­seit­en überzeugt wird, und, sollte etwas doch nicht gefall­en, diese wieder zurückschick­en.
Bei so manch ein­er Per­son steigt dabei jedoch auch das schlechte Gewis­sen – das ist doch bes­timmt nicht gut für die Umwelt oder? Die ganze Ver­pack­ung, die Liefer­wege und der Ver­brauch an Diesel etc.?

Tat­säch­lich gehen die Mei­n­un­gen dabei auseinander.

Die Süd­deutsche Zeitung hat 2019 einen Artikel über die CO2 Bilanz von Onli­neshop­ping vs. dem Einkaufen im Laden mith­il­fe von Dat­en des Öko-Insti­tut e.V. veröf­fentlicht. Danach ist  die CO2 Belas­tung bei Online-Einkäufen tat­säch­lich niedriger, als im Laden einzukaufen. Hier­bei wer­den, am Beispiel eines Schuhkaufes, sowohl Strom­nutzung, Diesel und Fahr- bzw. Laufwege mit ein­berech­net. Gle­ichzeit­ig gibt der Artikel jedoch auch Dat­en wieder, die bezeu­gen, dass die Umwelt­be­las­tung durch den Online-Kon­sum deut­lich neg­a­tiv bee­in­flusst wird. Der Artikel schließt damit ab, dass man keine all­ge­meine Aus­sagen zur Nach­haltigkeit des Online-Kon­sums tre­f­fen könne, da der Einzelfall von vie­len Fak­toren abhängig ist: Wie energieef­fizient der Laden vor Ort ist, welche Liefer­l­ogis­tik betrieben wird, welche Strom- und Ben­z­in­quellen genutzt wer­den, wie der Konsument/die Kon­sumentin anson­sten zum Laden fahren würde (Fahrrad/ÖPNV/Auto/…), ob der erwor­bene Artikel zurück geschickt wird, und so weit­er und so fort.

Alles also immer noch ganz schön schwammig.

Die Ver­braucherzen­trale hinge­gen hat hier auch ein paar hil­fre­iche Infor­ma­tio­nen, welche zum Teil mit den eben erwäh­n­ten übere­in­stim­men. Auch sie gibt an, dass ver­schiedene Stu­di­en zu diesem The­ma zu sehr unter­schiedlichen Ergeb­nis­sen gekom­men sind, wobei diese zwis­chen 32% Erspar­nissen bzw. einem 240% höheren Ausstoß von CO2 Emis­sio­nen schwanken. Die Mehrzahl der Stu­di­en tendiert jedoch dazu, dass der Online­han­del sich eher neg­a­tiv auf den ökol­o­gis­chen Fußab­druck auswirkt.

Zusät­zlich hat die Ver­braucherzen­trale jedoch auch Empfehlun­gen und Infor­ma­tio­nen, wie wir auch den Online-Kon­sum ökol­o­gis­ch­er machen kön­nen. Es hil­ft unter anderem auf Expressliefer­un­gen zu verzicht­en, da diese nicht so gut logis­tisch durchge­plant wer­den kön­nen und somit mehr hin und her gefahren wird. Des Weit­eren sollte man ver­suchen eher Sam­melbestel­lun­gen aufzugeben, anstatt mehreren einzelne Bestel­lun­gen. Kann eine Retour nicht ver­mieden wer­den, sollte man die Bestel­lung mit der Orig­i­nalver­pack­ung zurückschick­en.

Vor allem let­zteres hat starke Auswirkun­gen auf den ökol­o­gis­chen Fußab­druck beim Online-Kon­sum. Ger­ade im Mode­bere­ich kommt es zu ver­mehrten Rück­sendun­gen, welche beispiel­sweise im Jahr 2018 238.000 Ton­nen CO2 verur­sacht haben – denn ca. jedes zweite Paket wurde in dieser Branche zurück­ge­sendet. Hinzu kommt beim Onli­neshop­ping, dass die kleineren lokalen Läden stark unter der Mark­tkonkur­renz lei­den, manche daran zugrunde gehen, und dem­nach noch mehr Men­schen online shop­pen müssen, da es keine lokale Alter­na­tive mehr gibt. Ein Teufel­skreis, den man ver­suchen kann zu unter­brechen, indem man schaut, ob man bei lokalen Geschäften bestellen kann.



Kop­pelt man diese Infor­ma­tio­nen mit der steigen­den Ten­denz des Online-Han­dels (wobei Kana­da diesen Som­mer einen Bericht veröf­fentlicht hat, wonach ihre Online-Verkäufe sich dieses Jahr während der Pan­demie mehr als ver­dop­pelt hät­ten), so macht man sich doch Gedanken. Liefer­di­en­ste wer­den hier immer mehr in Anspruch genom­men – ver­mut­lich wer­den auch noch mehr Geschenke ver­schickt, da man wegen der Kon­tak­tbeschränkun­gen weniger Fam­i­lien­mit­glieder in Per­son sieht. Wenn man sich die Schlangen vor den Postämtern so anschaut, kön­nte man defin­i­tiv davon ausgehen. 

Aus diesem Grund sollte man sich auf jeden Fall zweimal über­legen, ob dieses oder jenes Geschenk wirk­lich das Richtige ist und ob man dessen Bestel­lung nicht mit anderen kom­biniert. Hier­bei ist es natür­lich auch hil­fre­ich, direkt Waren zu kaufen, welche bei der Pro­duk­tion einen höheren ökol­o­gis­chen und sozialen Stan­dard haben. Da dies natür­lich auch nicht immer trans­par­ent ist, erstellen Seit­en wie utopia.de Lis­ten von Marken und Läden, die beson­ders auf Nach­haltigkeit acht­en – auch für Online-Shops.

Let­ztlich sollte man sich eh zurück in den Kopf rufen, dass Wei­h­nacht­en doch ein Fest der Liebe und Zuwen­dung ist, und dem­nach materielle Dinge nicht den Auss­chlag geben. Vielle­icht kann man ja auch zuhause ein Ständ­chen sin­gen und die Video-Auf­nahme davon an seine Lieb­sten schick­en? Oder ein paar wär­mende Sock­en strick­en oder eine schöne Karte malen? Es ist schließlich der Gedanke der zählt!


Quellen und weit­er­führende Literatur:

Süd­deutsche Zeitung: https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/online-shopping-co2-klima-laden‑1.4429396, Aufruf 06.12.2020
Uni­ver­sität Bam­berg: https://www.uni-bamberg.de/news/artikel/retourenmanagement-2019/, Aufruf 06.12.2020
Utopia: https://utopia.de/bestenlisten/onlineshops/, Aufruf 08.12.2020
Ver­braucherzen­trale: https://www.verbraucherzentrale.de/wissen/umwelt-haushalt/nachhaltigkeit/ist-onlinehandel-gut-fuer-die-umwelt-es-spricht-viel-dagegen-26661, Aufruf 07.12.2020

Kommentar verfassen

0 Kommentare
Inline Feedbacks
View all comments
#YOUAREFFMAG
Cookie Consent mit Real Cookie Banner